Filmkritik
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Aufschneider

Die österreichische schwarze Komödie "Aufschneider" (2010) spielt im Krankenhaus-Milieu. Die Kabarettisten Josef Hader und Oliver Baier spielen die Hauptrollen (= Chefärzte). Regie führte David Schalko.

In der rabenschwarzen Komödie spielt Josef Hader einen Pathologen mit gewissen psychischen Problemen. Seine ehemalige Frau ist in einer Beziehung mit seinem Erzfeind, dem Chef der Chirurgie (Oliver Baier) des Krankenhauses, in dem er arbeitet, und seine Tochter ist in seinen neuen Assistenten verliebt.

Handlung / Inhaltsangabe

Der Pathologe Dr. Fuhrmann hat Ansichten über das Leben, die exzentrisch erscheinen und seine Familie und sein berufliches Umfeld beleidigen können, was ihn in Schwierigkeiten bringt. Sein großer Widersacher ist der Chirurg Dr. Böck, der ihm immer im Weg steht. Deshalb versucht Fuhrmann, ihm einen beruflichen Fehler nachzuweisen.

Fuhrmann hat neue Assistenten, Winkler und seine Tochter Feli, die es gerade vorgezogen hat, zu ihrer Mutter zu ziehen. Feli wirft oft ein Auge auf Winkler, was ihrem Vater missfällt. Karin, seine Ex-Frau, beginnt, sich mit dem Chef Dr. Böck zu treffen, der zum Objekt von Fuhrmanns Eifersucht wird.

Fuhrmanns Kollegin Dr. Wehninger entfernt mit seiner Hilfe den Leichnam ihres verstorbenen Vaters aus der Pathologie, damit er nicht obduziert wird. Die Leiche wird anschließend unter merkwürdigen Umständen zurückgebracht. Fuhrmann und Wehninger kommen sich näher. Doch die Entführung wird angezeigt und Fuhrmann suspendiert.

Dr. Böck operiert einen Sohn Gaddafis, verwechselt aber das Knie und wird ebenfalls suspendiert. Fuhrmanns Ex-Frau entdeckt seine Schwangerschaft, was Böck sehr unangenehm ist. Auch Fuhrmann ist über dieses Ereignis nicht erfreut. Darüber hinaus ist seine Tochter Feli ebenfalls schwanger geworden. Nachdem er mit Wehninger geschlafen hat, entdeckt Fuhrmann ein seltsames Merkmal an seiner Brust und beschließt, sich selbst zu operieren. Nachdem er in Ohnmacht gefallen ist, wird er von Dr. Böck gerettet. Der Knoten ist in Wirklichkeit eine Zyste.

Eine Nebenhandlung ist ein Handel mit den Hornhäuten Verstorbener zwischen den beiden Pathologie-Agenten und der Bestattungsangestellten Anke.

 

Kritik / Review

Kurz & Schmerzlos

"Aufschneider" ist eine temporeiche schwarze Komödie mit bissigen Dialogen, die ein realistisches Bild des Klinikalltags parodiert und auch Seitenhiebe auf diverse Arzt- und Krankenhaus-Soaps enthält.

Hader brilliert als direkt formulierender, aber auf seine Weise durchaus empfindsamer einzelgängerischer Griesgram mit gelegentlichen Ansätzen von sozialer Kompetenz. Die weiteren Darsteller leisten ebenfalls ganze Arbeit, und ergänzen ihn zu einem schauspielerisch gut zusammenpassendem Ensemble.

Der Kabarettist trifft in dieser Glanzrolle des Pudels Kern auf vielen Ebenen zwischenmenschlicher Unzulänglichkeiten, angefangen von den ständige ekligen Pathologen-Witzeleien bis hin zu seinem Dauerzwist mit dem Nebenbuhler und Kollegen, welchen er mit Kunstfehlern abzuschießen versucht.

Der offizielle Trailer

Der Zweiteiler bietet Konflikte aus Sicht des Chefs der Pathologie eines städtischen Krankenhauses. Dr. Fuhrmann hat einen verschobenen Blick auf die Welt, die Menschen im Allgemeinen und die Kollegen. Besonderen Ehrgeiz hat er dahin entwickelt, seinem Arztkollegen, dem Chef der Chirurgie Dr. Böck, einen Behandlungsfehler nachzuweisen. Hinzu kommen weitere persönliche zwischenmenschliche Probleme mit seiner (Ex-)Frau, seiner Tochter und dessen neuem Freund, der gerade erst als Pathologe auf Probe von ihm selbst eingestellt worden war. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich mit seiner Kollegin Dr. Wehninger, deren Vater "als Gast in der Pathologie weilt", weil er plötzlich verstorben ist, sowie illegale Machenschaften des Personals.

Zwischen dem missachteten Chefarzt der Pathologie, dem narzisstischen Chirurgen, der Ex-Frau, der verhärmten Assistenzärztin, dem Saubermann-Klinikleiter, dem Berufseinsteiger, der Tochter, den abgestumpften Präparatoren und der psychopathischen Bestatterin entstehen wunderbare Spannungsfelder die genüsslich seziert werden.

Hintergründe

Ein paar Details & Anekdoten

Die Dreharbeiten fanden von April bis Juni 2009 in Wien und Niederösterreich statt. Als „Margaretenspital“ fungierte das Gesundheitszentrum Wien-Süd der Wiener Gebietskrankenkasse am Wienerberg.

Josef Hader (* 1962) ist seit den 1980er Jahren einer der bekanntesten und populärsten österreichischen Kabarettisten.
Er hatte auch tragende Rollen in den Filmen "Komm, süßer Tod" (2000), "Der Knochenmann" (2010) sowie als Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte" (2016).

Die Produktionsfirma Superfilm produziert den Film für den ORF und arte.

 

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